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Upcoming Architects Facing New Conditions

Interview mit Buero Kofink Schels
Sebastian Kofink & Simon Jüttner

Über Sebastian Kofink & Simon Jüttner

Sebastian Kofink hat eine Ausbildung zum Zimmermann gemacht sowie Innenarchitektur und Architektur in Rosenheim, Prag und Liechtenstein studiert. Er arbeitete für Carsten Nicolai und Roger Bundschuh in Berlin, Martin Bühler in Zürich, Finsterwalderarchitekten in Rom und Regional Associates in Uganda. 2012 bis 2014 war er Assistant am Lehrstuhl für Entwerfen und Gestalten und von 2015 bis 2021 am Lehrstuhl für Entwerfen und Konstruieren an der TU München. Seit 2021 ist Sebastian Kofink als Dozent an der Hochschule München tätig.

Simon Jüttner studierte Architektur und Stadtplanung an der TU München. Nach seinem Abschluss machte er sich als Architekt und Fotograf selbstständig. So ist er unter anderem Gründungsmitglied des Fotokollektivs PK Odessa Co. 2015 bis 2018 war er als Gastdozent an der Akademie der Bildenden Künste in München und 2020/21 als Lehrauftrag an der Hochschule Stuttgart tätig. 2020 gehörte er zu den Stipendiaten der deutschen Akademie in Rom Villa Massimo. Seit 2021 ist Simon Jüttner Lehrauftrag an der Hochschule München.

2016 erhielten Sebastian Kofink und Simon Jüttner, Architekten des BDA den Förderpreis für Architektur der Landeshauptstadt München. Im Jahr 2014 gründeten sie Buero Kofink Schels.

 

1. Der Titel unserer Interviewreihe heißt „Upcoming Architects Facing New Conditions”.

Finden Sie, dass Sie bezüglich des Themas Nachhaltigkeit anders denken und handeln als die Architektengeneration vor Ihnen? Was ist für Sie nachhaltige Architektur?

 

Nachhaltigkeit hat in der Architektur schon immer eine Rolle gespielt. Es gibt viele Kolleg*innen aus der Generation vor uns, die sich damit intensiv auseinandergesetzt haben. Seit geraumer Zeit hat das Thema allerdings an Dringlichkeit gewonnen. Man muss nur aufpassen, dass Nachhaltigkeit nicht zur Modeerscheinung verkommt. Wirklich nachhaltig zu entwerfen und zu bauen, das ist eine ziemlich komplexe Geschichte. Eine Frage, die da mit drin steckt, ist jene nach den Rahmenbedingungen: Existiert das Gute im Schlechten? Kann ich einen Bebauungsplan, wo die städtebauliche Entwicklung falsch läuft und viele Ressourcen verschwendet werden, ausgleichen, indem ich ein super-ökologisches Einfamilienhaus baue? Sollte ich einfach sagen: „Na ja, mein Rahmen ist nun mal dieser Bebauungsplan und da mache ich jetzt das Beste daraus?“ Wir sollten den Anspruch haben, gesamtgesellschaftlich zu denken: „Wir müssen nachhaltigere Architektur machen – vom Städtebau bis ins kleinste Detail, bis zur Wiederverwendung der Türklinke.“ Wir glauben, es gibt viele Aspekte der Nachhaltigkeit, die schwer zu quantifizieren sind. Im Endeffekt geht es um eine Effizienz im Einsatz von Mitteln, darum welche Rohstoffe ich ein- und welche Schadstoffe freisetzte. Zentral für eine Bewertung ist die Frage nach der Lebensdauer und der sozialen Komponente. Möglicherweise darf ein Gebäude, das der Gesellschaft im Allgemeinen dient und da einfach große Dienste leistet, ein bisschen unsauberer sein als ein Einfamilienhaus, das den Hedonismus eines Einzelnen befriedigt. Bei dem Begriff der Nachhaltigkeit müsste grundsätzlich viel stärker der gesellschaftliche Aspekt in den Fokus rücken, um letztlich die Frage zu verhandeln: „Wie wollen wir leben? Was brauchen wir als Gesellschaft überhaupt dazu?“

Auf der einen Seite steht die Tatsache, dass wir wirklich große klimatische und gesellschaftliche Herausforderungen meistern müssen und auf der anderen Seite eine Überregulierung, die eine kreative, schnelle und ernsthafte Reaktion auf diese Herausforderungen unterminiert. Sich hier für neue Rahmenbedingungen einzusetzen, ist ganz wichtig. Darin liegt eine Verantwortung unserer Disziplin – und eine Chance, dieser wieder mehr Relevanz zu verschaffen.“


2. Wofür steht Ihre Architektur?

Kofink & Jüttner: Zu Beginn hatten wir kleine Projekte, die unter nahezu prekären Umständen und hohem finanziellen Druck entstanden sind. Das Finden von einfachen Lösungen und das Hinterfragen von Baustandards war dabei zentral. Wir nennen das gerne poetischen Pragmatismus. Diesen versuchen wir jetzt auch auf einen größeren Maßstab zu übertragen und schauen, wie dieser in einem öffentlichen Auftragsverhältnis möglich sein kann. Im Grunde sind wir gerade in einer Phase, in der wir versuchen, genau diese Themen für uns zu definieren und zu verfeinern. Aus dem Verzicht, der uns in unseren ersten Projekten als Zwang auferlegt war, wurde eine Haltung. Wir haben festgestellt, dass man vieles gar nicht braucht. Da geht es um Materialstandards, Gebäudetechnisierung und auch stilistische Fragestellungen. Wir glauben mit einem großen ökologischen Bewusstsein zu arbeiten. Außerdem sind wir Verfechter einer Low-Tech-Architektur. Wir selbst benutzen etwa den Begriff ‚Smart Home‘, um Gebäude zu beschreiben, die deshalb schlau sind, weil sie einfach keine Technik brauchen.











Finden Sie hier das gesamte Interview zum Nachlesen:

Spannende Referenzprojekte:









Name des Projektes: T.I.A.-House 1

Ort: Almería, Spanien

Bautypologie: Wohnhaus

Neubau oder Revitalisierung: Revitalisierung

 

 

Foto: Simon Jüttner

Name des Projektes: Wählvermittlungsstelle

Ort: Bad Hindelang

Bautypologie: Umbauten eines Wohnhauses mit Erweiterung durch Aufstockung mit einem ergänzenden Geschoss

Neubau oder Revitalisierung: Revitalisierung

 

Foto: Simon Jüttner