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Upcoming Architects Facing New Conditions

Interview mit AMUNT Architekten, Aachen/Stuttgart
Prof. Sonja Nagel, Prof. Björn Martenson & Jan Theissen

 

Über Prof. Sonja Nagel, Prof. Björn Martenson und Jan Theissen

Björn Martenson schloss 1997 sein Architekturstudium an der RWTH Aachen im Fachbereich Architektur ab. Er war Lehrbeauftragter an der Bergischen Universität Wuppertal und an der RWTH Aachen. Im Jahr 2017/2018 war Björn Martenson Gastprofessor an der TU München und ist seit 2020 an der Hochschule München als Professor tätig. Sonja Nagel hat Architektur und Design an der Akademie der Bildenden Künste (ABK) Stuttgart und der Universität Stuttgart studiert. Jan Theissen studierte Produktdesign an der HBK Saarbrücken und der Design Academy Eindhoven, bevor er ein Architekturstudium am Pratt Institute Brooklyn NY und ebenfalls an der ABK in Stuttgart absolvierte. Über ihre Entwurfstätigkeit hinaus waren Nagel und Theissen Assistenten bzw. Dozenten an der ABK in Stuttgart und unterrichteten von 2015 bis 2017 Entwerfen an der PBSA in Düsseldorf, ab 2018 an der TU Darmstadt und seit 2019 an der Universität Stuttgart. Im Jahr 2017 erhielten sie ein Bundesstipendium für einen 6-monatigen Aufenthalt an der Cité International des Arts in Paris, wo sie an ihrem Bildatlas über Alltagsarchitektur als Ressource für den Entwurf arbeiteten.

Seit 2010 arbeiten Björn Martenson, Sonja Nagel und Jan Theissen in einer Architekturkooperation unter dem Namen AMUNT. Ihre Projekte wurden mit zahlreichen nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet.








1. Der Titel unserer Interviewreihe heißt „Upcoming Architects Facing New Conditions”.
Welche Aspekte bewegen Sie beim Thema nachhaltig Bauen am meisten?

 

Als Planer und Entwerfer spielen die lokalen Gegebenheiten und Zusammenhänge für uns eine große Rolle. Vor diesem Hintergrund ist es aus unserer Sicht notwendig, die Auswüchse der Globalisierung hinsichtlich des Bauens zu diskutieren: Inwiefern ist es beispielsweise sinnvoll, Bodenbeläge aus China zu importieren, auch wenn es preiswerter ist? Wir sind daran interessiert, zu einem einfacheren Bauen mit regionalen Materialien und klugen, nachhaltigen Lösungen zurückfinden, um damit einen Beitrag zu leisten, wie Probleme im Bereich des Bauens gelöst werden können. Welche lokalen Potenziale können dafür genutzt werden? Auch den hohen Einsatz von Technik im Gebäude hinterfragen wir stark, da er sich am Ende oft nicht rechnet oder keinen wirklichen Beitrag zur Nachhaltigkeit leistet. Wir versuchen deshalb von Lowtech-Prinzipien, die weltweit zum Einsatz kommen, zu lernen und auszuloten, ob und wie man diese in eigene Bauprojekte integrieren kann. Das verstehen wir unter global denken und lokal handeln.

Da in unserem Büro der Anteil der Umbauprojekte stark zunimmt, interessieren uns Strategien, wie wir an den Bestand, an vorgefundene Konstruktionen oder zumindest an die vorhandenen Baumaterialien anknüpfen können, sehr. Die Frage wie wir Bausubstanz sinnvoll erhalten und weiterverwenden, spielt bei uns eine große Rolle, denn wenn wir ehrlich bilanzieren würden, müssten wir den Neubau als Ausnahme und Umbau als den Regelfall betrachten.



„Im Prinzip ist jeder Quadratmeter, den man nicht baut, der Nachhaltigste. Deswegen ist es uns ein besonderes Anliegen, die Gebäude und Grundrisse so zu konzipieren, dass sie auf die wirklichen Bedürfnisse zugeschnitten sind und nicht ausufern. Wir denken außerdem über die Erstnutzung hinaus und integrieren Möglichkeiten der Um- oder Andersnutzung bereits in das Projekt.“






2. Ist die breite Architektenschaft auf das Planen im Bestand vorbereitet?

Ob die Architektenschaft wirklich gut auf das Planen im Bestand vorbereitet ist, ist schwer zu beurteilen. Die Lehre reagiert auf jeden Fall aktiv auf diese Entwicklung und behandelt heute Bestandsthemen sehr intensiv. Es gibt Professuren, die sich mit der Bilanzierung von Wertstoffkreisläufen beschäftigen oder damit, welche veränderten Anforderungen an unseren Gebäudebestand bestehen. Diese Themen können unserer Meinung nach gerade in der Lehre sehr gut erforscht und untersucht werden. An der Universität Stuttgart haben wir zum Beispiel im letzten Semester einen Entwurf für Studierende angeboten, der sich mit der Umstrukturierung leerstehender Kaufhäuser und deren speziellen Strukturen intensiv beschäftigt. In der Lehre ist das Thema wirklich angekommen, was die vielen Masterarbeiten beweisen, die sich mit der Umnutzung und Reorganisation von Gebäuden auseinandersetzen.













Finden Sie hier das gesamte Interview zum Nachlesen:




Spannende Referenzprojekte:




Name des Projektes: Fried
Ort: Düren
Bautypologie: Öffentliches Gebäude/ Pavillon
Neubau oder Revitalisierung: Neubau
Jahr der Entstehung: 2011

Foto: Brigida Gonzalez






Name des Projektes: JustK
Ort: Tübingen
Bautypologie: Einfamilienhaus
Neubau oder Revitalisierung: Neubau
Jahr der Entstehung: 2010

Foto: Brigida Gonzalez



Name des Projektes: Schreber
Ort: Aachen
Bautypologie: Doppelhaushälfte
Neubau oder Revitalisierung: Revitalisierung
Jahr der Entstehung: 2012

Foto: Filip Dujardin