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Upcoming Architects Facing New Conditions

Interview mit Stein Hemmes Wirtz Architekten, Frankfurt a. M.
Roger Wirtz

Über Roger Wirtz

Roger Wirtz (*1976), Dipl.‐Ing. Architekt BDA, studierte an der TU Darmstadt. Vor seinem Studium absolvierte er von 1997‐1999 zunächst eine Ausbildung zum Bauzeichner in Trier. Neben freiberuflichen Tätigkeiten während seines Studiums folgte 2005 ein Auslandspraktikum bei querkraft architekten in Wien. Nach seinem Diplom 2006 bei Prof. Günter Pfeifer arbeitete er bei Jo. Franzke Architekten in Frankfurt / Main. 2008 erfolgte die Eintragung in die Architektenliste der hessischen Architektenkammer. Seit 2010 ist er Partner im Büro ARCHITEKTEN STEIN HEMMES WIRTZ und gründete die Niederlassung in Frankfurt / Main, die er seitdem gemeinsam mit seiner Frau Sabrina Wirtz führt. Im Jahr 2018 wurde er in den Bund deutscher Architektinnen und Architekten (BDA) berufen. Neben Gastkritiken, Werk‐ und Fachvorträgen engagiert sich Roger Wirtz im Sinne der Baukultur auf dem Land und in der Stadt.



1. Der Titel unserer Interviewreihe heißt „Upcoming Architects Facing New Conditions.
Was benötigen wir angesichts des Klimawandels, der Ressourcenknappheit und der Energieeffizienzthematik für Architektur? Müssen wir umdenken oder sind wir gut vorbereitet? 

Die Frage geht über die Architektur hinaus. Ich finde, vor allem die jüngere Generation tritt sehr sensibilisiert auf. Es wird ja oft über die jungen Absolvent*innen geschimpft, weil die Ausbildung in eine falsche Richtung gehe. Wo sie auf jeden Fall in die richtige Richtung geht, ist in puncto Klimazukunft. Da gibt es eine sehr hohe Motivation und Diskussionsfreude innerhalb der Hochschulen, Büros und darüber hinaus. Im Bausektor hantieren wir als Architekt*innen mit sehr hohen Primärenergie-Einsätzen, wo wir reagieren können. Wir haben bis vor Kurzem immer darüber nachgedacht, wie wir unsere Häuser dazu bringen, im Winter weniger Energie zu brauchen. Das ist nicht mehr die eine Aufgabe der Zukunft: Wir müssen gucken, wie wir unsere Gebäude vor Überhitzung schützen, denn dort ist der Energieverschleiß durch Kühlung viel höher als beim Heizen. Bei dem Thema finde ich Low-Tech-Ansätze übrigens immer sehr reizvoll. Es ist schon viel gewonnen, wenn man bei Sonnenschein den Rollladen runter lassen kann. Dazu kommt, dass Wohnungsbaugesellschaften jetzt mehr und mehr nutzungsneutrale Grundrisse wollen. Die Frage ist da dann: Wie müssen die Grundrisse aussehen? Welche Deckenhöhen brauchen wir? Aktuell haben wir viel Sanierungsbedarf bei Gebäuden aus den 1970er-Jahren, wo eigentlich nur noch abgerissen werden kann. Damals wurden aus wirtschaftlichen Gründen Geschosshöhen von 2,40 Meter realisiert, die sich fast gar nicht umnutzen lassen – diesen Fehler dürfen wir nicht noch mal machen! Die Lebenszyklusbetrachtung inklusive der Wiederverwertung von Gebäuden bei Planung und Bau nicht aus den Augen zu verlieren, wäre eine echte Optimierung auch im Investmentbereich. 

„Um etwas Dauerhaftes, etwas Nachhaltiges zu schaffen muss Bauen teuer sein. Die extrem hohen Marktpreise in unseren verdichteten städtischen Lagen werden fast selbstverständlich geschluckt, aber beim Bau ist die Bereitschaft, Werte im Sinne einer lebenswerten Umwelt zu schaffen, oftmals nicht gegeben. Es ist darum sehr wichtig, dass die Architektenschaft in die breite Öffentlichkeit kommuniziert und den Kontakt zur Bevölkerung sucht.“ 

2. Wenn Sie als Architekt ab heute das Bundes­ministerium des Inneren für Bau und Heimat leiten würden, was würden Sie als Erstes ändern?

Ich würde die Vorbildfunktion des Bundes ernst nehmen. Gerade die öffentliche Hand sollte mit bestem Beispiel vorangehen, um mit kreislaufgerechten Bauweisen eine qualitätvolle Umwelt zu gestalten und das nicht nur bei einzelnen Vorzeigeprojekten! Qualität kostet natürlich Geld – Geld das jedoch sehr gut angelegt wäre, da es den Bürger*innen zeigt, dass ihre Zukunft wichtig ist. Des Weiteren würde ich jede Außenentwicklung infrage stellen und die stetige Flächenversiegelung stoppen. Und dann würde ich bei meinen Kolleg*innen des Verkehrsministeriums darauf hinwirken, dass kein Geld mehr in den zusätzlichen Ausbau von Straßen investiert wird, um die individuelle Mobilität durch Verbrennungs­motoren und so weiter einzuschränken. Mobilität werden wir brauchen. Es geht darum, über andere Konzepte nachzudenken und da kommt uns auch die Digitalisie­rung entgegen. Wenn ich nicht mehr jeden Tag pendeln muss, kann die ländliche Region vorangebracht werden.







Finden Sie hier das gesamte Interview zum Nachlesen:

Spannende Referenzprojekte:




Name des Projektes: Neue Mitte Mettmann - Evangelisches Gemeindezentrum, Kirchensanierung und Platzgestaltung

Ort: Mettmann 

Bautypologie: Gemeindezentrum und Kirche 

Neubau oder Revitalisierung: Neubau sowie Sanierung der Kirche 

Jahr der Entstehung: 2014 

 

Foto: Eibe Sönnecken 

Name des Projektes: Scheune Minden – Umbau einer Scheune in ein Wohnatelier 


Ort: Minden an der Sauer 

Bautypologie: Wohnen, Arbeiten, Kultur 

Neubau oder Revitalisierung: Revitalisierung 

Jahr der Entstehung: 2015 

 


Foto: Linda Blatzek 

Name des Projektes: Wohnhaus Triftstraße in 

Ort: Frankfurt-Niederrad 

Bautypologie: Wohnen 

Neubau oder Revitalisierung: Neubau 

Jahr der Entstehung: 2019 

 




Foto: Eibe Sönnecken