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Upcoming Architects Facing New Conditions

Interview mit Olufemi Moser Architekten
Christian Olufemi & Jörg Moser

Über Christian Olufemi & Jörg Moser

Bevor Christian Olufemi an der RWTH Aachen und TU München sein Architekturstudium erfolgreich abschloß, studierte er an der RWTH Aachen Physik. Nach dem Studium war Christian Olufemi in verschiedenen Architekturbüros sowie selbstständig als Architekt tätig.

Jörg Moser ist seit 2013 Mitglied im Bund Deutscher Architektinnen und Architekten (BDA). Zuvor war er sowohl selbstständig als Architekt tätig als auch Teil in zahlreichen Architekturbüros sowie im wissenschaftlichen Rat der TU München. Sein Architekturstudium absolvierte er an der RWTH Aachen.

Olufemi Moser Architekten wurde 2019 von Christian Olufemi und Jörg Moser gegründet. 

1. Das Thema unserer Interviewreihe lautet: “Upcoming architects facing new conditions”.

Welche neuen Herausforderungen nehmen Sie wahr?

Es normal, dass sich die Bedingungen für unsere Arbeit permanent verändern. Das ist ein Aspekt, der unsere Arbeit spannend macht. Aktuell werden vor allem in der Architektur alte Modelle verfolgt, die momentan ihre Zuspitzung finden. Diese Rekonstruktionsbemühungen einer längst verlorenen Architektursprache bedienen sich alter überkommener Bilder und Ideen, um sich selbst ein Wert zuzuschreiben, den sie offensichtlich verloren haben. In einer Phase der Erneuerung befinden wir uns also noch nicht. Alles steckt noch im Greenwashing: „Ich habe ein Auto, dass statt acht nur noch sechs Liter braucht. Ich fliege in den Urlaub, aber nicht mehr nach Thailand, sondern nach Mallorca.“ Derzeit gibt es keinen abschließenden Veränderungsdruck und deswegen haben wir nicht das Gefühl, dass wir vor der akuten Herausforderung stehen, jetzt alles neu denken zu müssen – auch wenn der Eindruck entsteht, dass man genau das machen sollte. Wir glauben, dass die Gesellschaft gerade wieder anfängt, sich stärker als Gemeinschaft zu sehen und begreift, dass sie nur als Gemeinschaft den Herausforderungen gewachsen ist. Wir glauben, dass man mit einer zu starken Individualisierung in der Gesellschaft die auf uns zukommenden Aufgaben nicht bewältigen kann. Das ist eine neue Entwicklung, die auch in die Architektur eingreifen wird. Es gilt das Miteinander wieder stärker zu thematisieren und Räume zu entwickeln, die die Gemeinschaft fördern, anstatt Bilder zu erzeugen, die eine längst überkommene gesellschaftliche Idee verkörpern.

„Wir bräuchten ein breiteres kulturelles Bewusstsein für die Bedeutung von Architektur, von Stadt, von Haus und von Wohnung. Wir haben viel zu viel Baugeschehen und viel zu wenig Baukultur. Der Markt ist an einer schnellen Entwicklung orientiert, weil er nach schnellem Profit strebt. Eine Baukultur fordert etwas anderes. “



2. Mit welchen Bauaufgaben und Themen befassen Sie sich bei Ihrer Arbeit im Schwerpunkt?

Wir beschäftigen uns mit öffentlichen Bauten, Kindergärten und Gemeindezentren, sowohl für die Kirche als auch für kommunale Träger. Des Weiteren sind wir im Wohnungsbau und im Hotelbau tätig. Unser Spektrum ist also breit und geht von der Architektur über die Innenarchitektur bis ins Produktdesign und in die Sanierung denkmalgeschützter Kirchen. Investoren, im Besonderen beim Hotelbau, sehen Gebäude häufig als Produkt, das an verschiedenen Orten umgesetzt, trotzdem als Marke funktioniert. Hier ist es wichtig, dass sich das geforderte Qualitätsniveau in der Gestaltung und Nutzung reproduzieren lässt. Wohingegen die Zusammenarbeit mit sozialen Trägern eher ein demokratischer Prozess ist, bei dem man sich mit unterschiedlichsten Meinungen konfrontiert sieht. Häufig haben wir es hier mit Gruppen von acht bis neun ganz unterschiedlichen Menschen zu tun, die letztendlich gar nichts mit Bauen zu tun haben – da ist der Prozess einfach anders. Man nimmt die Position eines Mittlers ein und muss alle Themen jonglieren, um am Ende zu einer konsistenten Architektur zu kommen. Eine unserer Stärken dabei ist empathisch zu sein, den anderen zu sehen; ihm das Gefühl zu geben, man versteht ihn, man holt ihn ab und man integriert ihn in den Prozess. Das gelingt, weil wir nicht mit einem vorgefertigten Bild auf die Aufgaben und die Menschen zugehen. Wir stellen lediglich unsere Fähigkeiten als Architekten zur Verfügung. Das lässt manchmal das Ikonenhafte an unserer Architektur vermissen. Dafür arbeiten wir an vielschichtig gedachter Architektur.

Was uns bei unserer Arbeit zusätzlich beschäftigt, ist der Begriff des Produktes in der Architektur. Wenn wir uns zum Beispiel für einen Kindergarten bewerben, gibt es inzwischen bestimmte Bilder, die bauherrenseits gesucht werden und die sich dann immer wiederholen. Der Unterschied zwischen den Architekturbüros ist oft gar nicht mehr so groß, weil eben alle ein ähnliches Produkt anbieten. Hier führt somit der Produktbegriff zu weniger individueller Lösung und damit zu einem Verlust an Reichhaltigkeit in den räumlichen Lösungen und in der Gestalt. Auf der anderen Seite kann die Suche nach einem Produkt auch den Gestaltungsprozess und unser Aufgabenfeld als Architekten bereichern, weil er nicht bei einzelnen Aspekten der Architektur aufhört, sondern weil er die Gesamtheit des sozialen Raumes umfasst. Für die Erarbeitung einer Architekturidee arbeiten viele Investoren nicht mehr mit Architekten, sondern mit einer Werbeagentur zusammen. Um diesen Markt zu bedienen, müssen wir wieder viel früher in die Entwicklung eines Projekts einsteigen. Wir als Architekten erfassen all diese Dinge oft gar nicht mehr und werden in der Folge zu Dienstleistern gemacht, die das Teil nur noch bauen, aber nicht mehr die Idee dazu liefern dürfen. Wir als Architekten sind hier aufgefordert, unsere Rolle in einem solchen Projektentwicklungsprozess wieder stärker wahrzunehmen und Inhalte in diesen Prozess zu tragen, für den wir diesen Beruf ergriffen haben, jedes Bauwerk als einen sozialen Raum zu begreifen, der gut gestaltet zum Gefäß unsers Lebens werden kann. Wir denken, die Trennung von Architektur, Innenarchitektur und Design, die jeder als selbstverständlich hinnimmt, verhindert eine ganzheitliche Betrachtungsweise, die wir versuchen, für uns wieder zusammenzubringen.

Finden Sie hier das gesamte Interview zum Nachlesen:

Spannende Referenzprojekte:




Projekt: Renaissance Hotel

Ort: Wien

Typologie: Öffentliche Bereiche, Hotel

Neubau oder Revitalisierung: Neubau

 

 

Foto: David Bohmann

 

Projekt: Kita und Wohnhaus am Straßäcker

Ort: Garching

Typologie: Kindergarten mit sozialem Wohnungsbau

Neubau oder Revitalisierung: Neubau

 

Foto: Andreas Hoernisch

Projekt: Kindergarten St. Laurentius

Ort: Feldkirchen-Westerham

Typologie: Kindertagesstätte (als Teil eines Pfarrzentrums)

Neubau oder Revitalisierung: Neubau

 

Foto: Andreas Hoernisch