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Upcoming Architects Facing New Conditions

Interview mit Jun.-Prof. Max Otto Zitzelsberger
Jun.-Prof. Max Otto Zitzelsberger

 

Über Jun.-Prof. Max Otto Zitzelsberger

Jun.- Prof. Max Otto Zitzelsberger (*1983), Architekt BDA, schloss 2009 sein Diplom an der Technischen Universität (TU) München ab. 2009 bis 2010 arbeitete er als freier Mitarbeiter in verschiedenen Architekturbüros in Deutschland und in der Schweiz. Im Anschluss war er bis 2017 im akademischen Rat der TU München, am Lehrstuhl von Prof. Florian Nagler „Entwerfen und Konstruieren“, tätig. Seit 2011 leitet und betreut er eigene Projekte, für die er bereits Preise und Auszeichnungen, wie den Weißenhof-Architektur-Förderpreis gewann. 2017 wurde er in den Bund Deutscher Architektinnen und Architekten (BDA) und in den Arbeitskreis Junge Architektinnen und Architekten (AKJAA) aufgenommen. Im Jahr 2019 erhielt er zusätzlich für seine Arbeit ein Stipendium der Deutschen Akademie Villa Massimo in Rom. Seit 2019 ist Max Otto Zitzelsberger als Juniorprofessor für Tektonik im Holzbau an der TU Kaiserslautern tätig.







1. Der Titel unserer Interviewreihe heißt „Upcoming Architects Facing New Conditions”.
Welche Auswirkungen wird der Klimawandel und der Ressourcen-Engpass auf unsere Baukultur haben?

 

Ein großes Thema ist die problemlose Rückbaubarkeit von Gebäuden. Außerdem brauchen wir andere Typologien, die eine Umnutzung zulassen. Bei Gebäude neueren Datums ist die Nutzungsänderung oft schwierig, weil sie zu spezifisch auf eine ganz bestimmte Art der Verwendung zugeschnitten sind - und das ist natürlich immer das beste Abrissargument. Wenn ich beispielsweise eine Wohnung aus der Gründerzeit nehme, sie hat meist gleichgroße und vergleichsweise hohe Räume und eignet sich für eine Familie, eine WG oder auch für die Nutzung als Büro. Wir sagen heute, wenn wir hohe Decken realisieren wollen, dann brauchen wir mehr Material und das kostet. Das ist richtig, aber wenn ich in fünfzig Jahren die Räume umnutze, sind die Kosten wieder gedeckt. Das heißt, das langzyklische Denken ist entscheidend. Das nächste ist: Wenn wir zurückbauen, müssen wir auch gut zurückbauen können. Sämtliche Bauteilverbindungen müssen sich wieder lösen lassen und da ist auch im Holzbau der Kleber bei Brettschichtholzträgern und ähnlichem ein Problem. Dazu kommt, glaube ich, dass wir alle unseren Lebensstandard einfach verringern und uns fragen müssen, ob wir wirklich immer alles brauchen. Gerade in Schwellenländern gibt es ein großes Bedürfnis, unsren Lebensstandard zu erreichen, sie wollen erst einmal dahin kommen, wo wir in den letzten dreißig Jahren waren. Die sagen nicht: „Jetzt muss ich erst mal Benzin sparen“, sondern, „jetzt bin ich endlich da, wo andere Länder schon lange sind.“ Ich finde das muss man ihnen irgendwie auch zugestehen. Aber wir hier, die das alles schon erleben durften, sollten das Thema der Reduzierung nicht als Verzicht, sondern als Verbesserung unserer Lebenssituation sehen. Wir haben es uns als westliche Gesellschaft Jahrzehnte lang geleistet, mit großem Fußabdruck zu leben. Jetzt gehen wir mit gutem Beispiel voran, auch, wenn wir wissen, dass andere Länder erst in zwanzig Jahren oder noch viel später da ankommen.





„Und dann haben wir das Dilemma: Wenn wir bauen, beteiligen wir uns immer an einem Gentrifizierungsprozess. Wir beteiligen uns daran, dass die Schere zwischen Arm und Reich weiter auseinandergeht, weil wir mit unseren Gebäuden Gegenden aufwerten und damit ganz klar forcieren, dass die Ärmeren dort verdrängt werden.“



2. Mit welchen neuen Konditionen sehen Sie sich konfrontiert?

Wir müssen uns mehr mit dem Bestand auseinandersetzen. Stichwort Einfamilienhaus: Darf man eigentlich sinnvollerweise noch neue Einfamilienhäuser bauen? Die nächste Fragestellung ist: Wie gehen wir mit den Baumaterialien um? Wir können natürlich im Moment noch mit vielen Dingen bauen, aber was ist verantwortungsbewusst? Und dann haben wir das Dilemma – das ist für mich die wichtigste Erkenntnis – wenn wir bauen, beteiligen wir uns immer an einem Gentrifizierungsprozess. Wir beteiligen uns daran, dass die Schere zwischen Arm und Reich weiter auseinandergeht, weil wir mit unseren Gebäuden Gegenden aufwerten und damit ganz klar forcieren, dass die Ärmeren dort verdrängt werden. Darum suche ich immer wieder Bauaufgaben, wie die „Erkläranlage“, wo es beispielsweise um Inklusion geht, wo es um Holzbau geht, wo es um Bauen im Bestand geht. Dieses Projekt war einmalig und in jedem Fall eine sinnvolle, nachhaltige und gesellschaftlich relevante Bauaufgabe. Das Dilemma meiner Generation ist allerdings, dass wir nicht immer so genau sagen können, was eine sinnvolle Bauaufgabe ist. Nehmen wir an, jemand kommt zu mir und sagt, er möchte eine neue Villa mit Swimmingpool. Da muss man sich schon fragen: Mag ich das in meinem Portfolio haben? Natürlich ist es nicht immer leicht zu klären, ab wann etwas Luxus ist. Im Falle der Villa stellt sich die Frage nicht. Es gibt aber so viele Projekte, die ein gewisses Maß an Luxus haben und wo man fragen muss: „Brauchst du das unbedingt? Könnte man nicht eigentlich mit weniger auskommen?“ Bauherr*innen neigen gerne dazu, vor allem, wenn das Budget stimmt, zu viel zu machen.











Finden Sie hier das gesamte Interview zum Nachlesen:

Spannende Referenzprojekte:




Name des Projektes: Bauhof in Berngau

Ort:  Berngau

Bautypologie: Umbau eines ehemaligen landwirtschaftlichen Anwesens zu einem kommunalen Werkstatt- und Lagergebäude 

Neubau oder Revitalisierung: Revitalisierung

 

 

Foto: Mirjam Elsner 













Name des Projektes: Erkläranlage in Berngau

Ort: Berngau

Bautypologie: Umbau einer ehemaligen Kläranlage zu einem inklusiven Begegnungszentrum und grünem Klassenzimmer

Neubau oder Revitalisierung: Revitalisierung

 

Foto: Sebastian Schels










Name des Projektes: Wartehaus in Landshut

Ort: Landshut

Bautypologie: Neubau eines Buswartehauses mit Uhrenturm

Neubau oder Revitalisierung: Neubau


 



Foto: Sebastian Schels