Cityfoerster_Header
Cityfoerster_Header

Upcoming Architects Facing New Conditions

Interview mit Gründungspartner von CITYFÖRSTER architecture + urbanism | Dipl.-Ing. Architekt AKNDS
Nils Nolting

Über Nils Nolting

Nils Nolting studierte Architektur an der Leibniz Universität Hannover und der Architekthøgskolen Oslo. Bei internationalen und nationalen Wettbewerben hat er zahlreiche Preise gewonnen und Folgeaufträge realisiert. 2017 wurden Nils Nolting und Arne Hansen für das Projekt „Wohnkrone“ mit dem Nachwuchspreis des BDA Niedersachsen Max 45 ausgezeichnet. Das von Nils Nolting 2019 fertiggestellte Projekt „Recyclinghaus“ hat zahlreiche Awards und Nominierungen erhalten, unter anderem den Sonderpreis Nachhaltigkeit beim Deutschen Fassadenpreis 2020 sowie eine Anerkennung beim “Sonderpreis“ Bundespreis Umwelt und Bauen. Heute ist Nils Nolting Gründungspartner von CITYFÖRSTER architecture + urbanism und geschäftsführender Partner des Büros in Hannover. 

1. Ben van Berkel baut in München derzeit das Van B, ein visionäres Projekt im Wohnbereich, bei dem in Qualitätsmetern und nicht in Quadratmetern gedacht wird. Inwiefern deckt sich dieser Ansatz mit Ihrem?

 

Den Ansatz, auf kleiner Wohnfläche qualitätsvolle, gut nutzbare Räume zu entwickeln, finden wir im Sinne der Suffizienz dem Grunde nach schon sehr interessant. Beispielsweise beziehen sich die Energiekennzahlen heute immer noch auf die Quadratmeter. Eigentlich ist das die falsche Kennzahl, der Energieverbrauch müsste pro Kopf gerechnet werden und hierbei müsste eigentlich sogar der durch die Planung evozierte Lebensstil, einschließlich des erforderlichen Mobilitätsverhaltens mit eingepreist sein. Man kann sich auch auf kleinerem Raum qualitätsvoll organisieren. Und auch der Ressourcenverbrauch und die Aufwendungen an grauer Energie für die Gebäudeherstellung sinken bei einer kompakten Grundrissorganisation ebenfalls pro Kopf. Der Trend zu Mikroapartments ist in sozialer Hinsicht aber auch zweischneidig zu betrachten. Wird dieser Trend in Ballungsräumen mit drastischer Wohnraumknappheit dem freien Markt überlassen, steigt im Prinzip einfach die Marge des Entwicklers und die sozialen Fragen des Wohnens bleiben für die größten Bevölkerungsgruppen trotzdem unbeantwortet. Ein gutes Beispiel-Projekt, an dem wir derzeit in Hannover planen ist das sogenannte „ECO Village“ – auch auf dem Kronsberg in Hannover, ganz in der Nähe unseres Recyclinghaus-Projektes. Dort gibt es eine neu gegründete Genossenschaft, die ein Suffizienz-Quartier realisieren wird. Da haben sich Leute zusammengefunden, die den Anspruch haben, wenig zu verbrauchen und einen bescheideneren Lebensstil zu pflegen, um klimagerecht zu leben. Dort wird weniger private Wohnfläche pro Kopf angesetzt, „Luxus“ entsteht über qualitative Außenräume und gemeinschaftlich genutzte Bereiche wie Waschküchen, Gästeraum, Mobilitätsstationen und ähnliches – frei nach dem Prinzip „durch Teilen mehr haben“. Wir finden, dass für Architektur und Stadtplanung die Gemeinwohlorientierung von zentraler Bedeutung ist. Wenn sich jeder in seine private Blase zurückzieht und einen Zaun um sich rumzieht, ist keinem geholfen.

 

Es reicht nicht, eine gute Gestaltung zu machen, sondern man muss als Architekt*in eine Vielzahl von komplexen Aspekten berücksichtigen. Das war ein Stück weit schon immer so, aber es sind eben weitere Bedingungen dazugekommen. Das betrifft zum einen die Gebäude selber und zum anderen das ganze Wohnumfeld und die stadtplanerische Organisation. Wir dürfen Gebäude nicht isoliert betrachten, wir müssen quartiersübergreifend denken.“



2. Nachhaltigkeit befürworten alle – sich deshalb auf Mehrkosten einlassen, wollen allerdings die wenigsten. Wie sind Ihre Erfahrungen?

Klar, das ist noch häufig so. Bisher galt beispielsweise: „Ein Holzbau ist ungefähr zehn Prozent teurer als ein Massivbau.“ In der Vergangenheit wurde sich auf Grund dessen – neben anderen Vorbehalten gegenüber Leichtbauweisen - oft für den Massivbau entschieden. Das hat sich in den letzten Jahren stark geändert. Natürlich wird das Umdenken teilweise auch schon durch Vorgaben vonseiten der Politik gefördert. Aber es gibt durchaus auch Bauherren, die vorne weggehen und mehr machen wollen als unbedingt nötig ist. Es gibt ein wachendes Bewusstsein dafür, dass Umweltfolgekosten zukünftig auch wirtschaftlich eingepreist werden. Nachhaltigkeit ist also kein reiner Idealismus, sondern einfach eine strategisch kluge Sache.











Finden Sie hier das gesamte Interview zum Nachlesen:

Spannende Referenzprojekte:




Name des Projektes: Recyclinghaus

Ort: Hannover

Bautypologie: EFH, Neubau

 

 

 

 

Foto: Olaf Mahlstedt 


Name des Projektes: Wohnkrone Parkhaus

Ort: Hannover

Bautypologie: Bestandsumbau- und Erweiterung eines Parkhauses, Aufstockung mit Wohnunge

 


Foto: Olaf Mahlstedt



Name des Projektes: Ecovillage

Ort: Hannover

Bautypologie: Masterplan für ein neues Suffizienz-Wohnquartier

 

 

 

Foto: Cityförster und Studiomauer